Das Benediktinerstift Melk

Am Anfang stand der Neubau der Klosterkirche

Stift Melk
Stift Melk, Ansicht von Westen

1702 erhielt Jakob Prandtauer einen überaus bedeutenden Auftrag: Abt Berthold Dietmayr (reg. 1701–1739) betraute ihn mit der Neuerrichtung der Stiftskirche von Melk.

Der Bau gilt bis heute als Hauptwerk Prandtauers, obwohl er nur teilweise seine Handschrift zeigt. Indizien deuten darauf hin, dass Prandtauer Planungen verschiedener Künstler zusammengeführt hat. Treibende Kraft hinter diesem Vorgehen war der eigenwillige Abt – jung, ehrgeizig und kunstsinnig – errichtete er mit Hilfe von Prandtauer eine der bedeutendsten Klosterkirchen in Mitteleuropa.

Die alte Klosteranlage verwandelt sich in einen "Klosterpalast"

Kaum war der Rohbau der Stiftskirche (mit Ausnahme der Kuppel) 1710 vollendet, betraute Berthold Dietmayr Prandtauer mit der Modernisierung der bestehenden Klosteranlage. Prandtauer öffnete den Komplex zur Donau hin und verlieh den alten Fassaden ein völlig neues – palastartiges – Erscheinungsbild. Die Verwandlung der Melker Klosteranlage in einen repräsentativen „Klosterpalast“ beschäftigte den Baumeister bis zu seinem Tod im Jahr 1726.

Stift Melk
Stift Melk, Flugbild

Die Klosteranlage von Melk gruppiert sich um insgesamt sieben Höfe, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Der Komplex besitzt keinen regelmäßigen Grundriss, und auch der Aufriss ist nicht immer regelmäßig. Der Grund? Die Klosteranlage von Melk ist kein Neubau. Prandtauer hat die Klosteranlage des 17. Jahrhunderts lediglich umgebaut.

Das Team: Abt Berthold Dietmayr & Jakob Prandtauer

Die oberste Instanz des gesamten Unternehmens war Abt Berthold Dietmayr, der auch die einzelnen Verträge mit den Künstlern und Handwerkern abschloss. Galt es Entscheidungen bezüglich der Architektur zu treffen, wollte er zuvor immer die Meinung Prandtauers hören.

Die Revolte des Konvents & die Bauabwicklung

Stift Melk Abt Berthold Dietmayr
Abt Berthold Dietmayr

Der Konvent fühlte sich dabei übergangen und versuchte, kurzfristig sogar im Zuge einer Verschwörung den Abt abzusetzen. Die Mitbrüder beklagten u.a. die oftmalige Absenz des Abtes, dessen verschwenderische Lebensweise sowie den ständigen Baulärm und Schmutz. Außerdem fühlten sie die Mitbrüder übergangen und beschwerten sich, dass "alles in gebey geschehe mit anziger berathschlagung des baumaster"

Berthold Dietmayr gab Prandtauer Anweisungen, Prandtauer machte dem Abt Vorschläge und arbeitete Pläne aus, und so ging es hin und her, bis man sich einig war. Die Verträge mit den am Bau tätigen Künstlern und Handwerken schloss der Abt ab, der Kontaktmann für die einzelnen Personen war dann aber immer Prandtauer.
So heißt es beispielsweise in dem  1702 mit dem Steinmetzmeister Augustin Staingruber geschlossenen Vertrag, der Steinmetzmeister soll die Steine "nach Verlangen deß Baumaisters" gestalten. Und in dem 1707 zwischen Abt Berthold und dem Steinmetzmeister Vital Strobl unterzeichneten Kontrakt findet sich folgender Hinweis: "Wan er Maister Strobl in der Arbeith oder im Riß sollte anstehen, so solle er schuldig seyn, sich bey dem Baumaister anzufragen."

Die Melker Stiftskirche: Ein barockes "Gesamtkunstwerk"

Melk Stiftskirche
Stiftskirche Melk, Einblick

Im Innenraum der Stiftskirche von Melk scheinen Architektur, Plastik und Malerei miteinander zu verschmelzen. Die einzelnen Gattungen sind perfekt aufeinander abgestimmt. Man hat den Eindruck, der Raum wäre von Beginn an so geplant gewesen, wie er sich heute präsentiert. Das war jedoch nicht der Fall!

Das „Gesamtkunstwerk Melk“ ist in mehreren Etappen entstanden, wobei es immer wieder Veränderungen gab. Drahtzieher und „Regisseur“ des gesamten Unternehmens war nicht Jakob Prandtauer, sondern der Melker Abt Berthold Dietmayr. Entscheidungen traf der Abt immer erst, wenn ihm mehrere Entwürfe vorlagen. War er einmal nicht zufrieden oder änderte er seine Vorstellungen, schreckte er auch vor dem Abbruch bereits bestehender Bauteile nicht zurück. Wer die Kirche heute betritt, ahnt nicht, wie turbulent das Geschehen einst war.