Prandtauers Reisen am 31. Dezember

 

Das Reisen in der Barockzeit war mit großen Anstrengungen verbunden  erst recht in der kalten Jahreszeit. Die Winter waren schneereich, die Temperaturen lagen regelmäßig deutlich unter null Grad. So könnte man meinen, der Baumeister Jakob Prandtauer (1660–1726) wäre spätestens ab November nur mehr in seinem Haus in St. Pölten vor dem warmen Ofen gesessen, um sich planend und zeichnend mit seinen Bauprojekten zu befassen und um schließlich ab dem Frühling wieder zu den verschiedenen Baustellen zu fahren. Die Quellen machen allerdings deutlich, dass er das ganze Jahr unterwegs war. In jüngeren Jahren ist er geritten, zumeist aber hat er ein Fuhrwerk oder die Postkutsche benutzt. 

Lassen Sie uns heute einen kurzen Blick auf den 31. Dezember werfen, denn selbst an diesem Tag ist Prandtauer gereist. Der Grund für seine Reisen? Am 31. Dezember war oft Zahltag, und mangels Banküberweisung musste sich Prandtauer eben persönlich zu seinen Bauherren begeben, um sein Geld zu erhalten.

 

So geht aus den Quellen hervor, dass er am 31. Dezember 1700 im Stift Göttweig war, wo er 30 Gulden bekam. Am 31. Dezember 1713 und am 31. Dezember 1714 war er im Stift Melk, wo er sein Jahresgehalt in Höhe von 300 Gulden erhielt.

 

Am 31. Dezember 1721 war er im Stift St. Florian, wo ihm 145 Gulden ausbezahlt wurden. Da die Reise von St. Pölten nach St. Florian im Sommer rund 20 bis 28 Stunden gedauert hat und mehrere Übernachtungen einschloss, ist klar, dass Prandtauer den Jahreswechsel fernab von seiner Familie verbracht hat. Frühestens am 2. Jänner 1722 wird er wieder in St. Pölten gewesen sein. Auch 1722 war er am letzten Tag des Jahres unterwegs. Dieses Mal führte ihn die Reise erneut nach Melk, wo er 300 Gulden bekam.

 

In der zweibändigen Prandtauer-Monografie wird es übrigens ein "Itinerar" geben, eine tabellarische Übersicht aller durch Quellen dokumentierten Reisen. Anhand dieser Übersicht lässt sich die Reisetätigkeit des Baumeisters im Detail verfolgen.

Zweibändige Monografie

Jakob Prandtauer 1660–1726. Baumeister des Barock

Subskription ab sofort möglich!

Cover Buch Prandtauer Huberta Weigl

Die Künstlermonografie mit Werkverzeichnis wird zwei Bände umfassen und im März 2021 im Michael Imhof Verlag erscheinen. Sie beleuchtet zum ersten Mal das Leben und das gesamte Werk Prandtauers. Alle Bauten, darunter acht große Klosteranlagen (u. a. Melk, Dürnstein, Herzogenburg, Garsten und St. Florian), werden in Text und Bild vorgestellt.

Darüber hinaus gibt das Buch vielfältige und lebensnahe Einblicke in die Baupraxis der Barockzeit: Wann und warum hat sich der Tiroler Jakob Prandtauer gerade in St. Pölten niedergelassen? Wie hat er seine Bauprojekte abgewickelt? Wie oft war er auf seinen Baustellen? Wer hat die Arbeit der Handwerker vor Ort koordiniert? Wie lief die Kommunikation? Wie ist Prandtauer gereist? Wie viel hat er verdient? Wie hat er auf die oft eigenwilligen Wünsche seiner Auftraggeber reagiert? Welche Rolle spielte das Networking in der Barockzeit?

 

Das Buch ist seit wenigen Tagen beim Verlag subskribierbar!

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Bildnachweis: Schneelandschaft: cocoparisienne, Pixabay